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Chebs Geschichte

Und so kamen wir zu Cheb: wir waren ein paar Tage im Fichtelgebirge. Von dort ist es nicht weit nach Tschechien, so haben wir an einem Nachmittag einen Ausflug nach Cheb (Eger) gemacht. Die Stadt ist sehenswert. An einem großen Platz zu Beginn unseres Rundganges saß ein kleiner schwarz-weißer zotteliger Hund, der etwas schmutzig aussah. Ich streichelte ihm kurz und fragte mich, ob er wohl irgendwo hin gehörte. Wir gingen weiter und sagten zu dem Hund, daß er, wenn er kein Zuhause hat, hier auf uns warten soll. ;-)

In einem Cafe tranken wir einen Cappuccino, erkundeten dann weiter die Stadt. Es fing an zu schütten in Strömen. Bei der Burg angekommen, stellten wir uns erst mal unter. Als es wieder etwas nachließ mit dem Regen, konnten wir zum Eingang gehen und noch das Innere der Burg, das Museum und den schwarzen Turm ansehen. Auf dem Turm war es uns allerdings nicht so geheuer, beim Gewitter wollten wir nicht unbedingt Blitzableiter spielen, so daß wir schnell wieder runter sind!

Auf dem Rückweg zum Auto, es schüttete immer noch, gingen wir noch Urlaubsmitbringsel einkaufen. An dem Platz angekommen, hielten wir Ausschau nach dem Hund. Er war nicht dumm: wegen des Regens hatte er sich in den Eingangsbereich eines Supermarktes zurück gezogen, aber so, daß man ihn gleich finden konnte. Tja, nun waren wir etwas ratlos, wir hatten nicht damit gerechnet, daß er wirklich noch da wäre. Immerhin waren wir ein paar Stunden unterwegs gewesen. Nach dem Einkaufen fragte ich in den umliegenden Geschäften (teils mit Händen und Füßen, da wir ja kein Tschechisch können), ob jemand wüßte, wohin der Hund gehörte. Niemand wußte was. Nun haben wir hin und her überlegt. Wir könnten ihn ja nicht einfach mitnehmen, wenn er doch ein Zuhause hätte...

Da fiel uns ein, daß wir auf dem Weg vom Parkplatz zum Zentrum eine Polizeistation gesehen hatten. Da gingen wir dann mit dem Hund hin. Immer noch strümender Regen. An der Tür unterm Vordach stellten wir uns unter. Durch die Sprechanlage der bereits geschlossenen Polizei erklärten wir, daß wir einen Hund gefunden hatten. Der deutsch sprechende Polizist sagte, es würde jemand kommen. Tja, und da standen wir dann. Einige Male gingen Leute ein und aus, aber keiner ließ uns rein oder frage was wir möchten. Nach 10 oder 15 Minuten kam dann ein Polizeiauto vorgefahren. Die beiden steigen aus und fragten ob es ein Problem gibt. Viel Deutsch konnten sie nicht. Mit Händen und Füßen erklärten wir, daß wir den Hund gefunden hätten und nicht wüßten ob er ein Zuhause hat. Dafür sei die Straßenpolizei zuständig. Er erklärte uns wo das sei. Da es immer noch schüttete, blieben wir aber erst mal dort stehen. Da forderte einer der beiden Polizisten die Straßenpolizei per Funk an. Die kamen dann nach weiteren 10 min mit einer Leine und wollten den Hund mitnehmen. Wir versuchten verständlich zu machen, daß wir wissen möchten, ob er ein Zuhause hat, und wenn nicht, ihn mitnehmen würden. Das scheiterte aber an sprachlichen Problemen. Nach einigem Hin und Her wurden dann per Funk 2 weitere Polizisten gerufen, von denen einer deutsch sprach. Endlich konnten wir uns verständlich machen. Die beiden waren auch sehr nett und hilfsbereit. Der junge Mann sagte uns, sie hätten "jeden Tag 10 solche" und wir könnten den Hund ruhig nehmen.

Dann kam das nächste Problem: die Grenze. Die Polizisten sagten, der Tierarzt habe schon zu. Beratschlagung auf Tschechisch. Dann nahm der junge Mann seine Mütze ab, versteckte sie hinter dem rücken und sagte: "Ich bin jetzt kein Polizist". Wir sollten den Hund am besten im Fußraum verstecken und über diese, nicht jene Grenze fahren, an jener würde schärfer kontrolliert ;-)) Mütze wieder auf, dann war er wieder Polizist *g* Nach weiterer tschechischer Beratschlagung sagte er uns, wir sollten den ersten beiden Polizisten nach fahren, sie würden versuchen uns zu einem TA zu bringen. Er selbst müßte zu anderer Arbeit.

Mit der Leine der Polizisten führten wir den Hund durch den immer noch strömenden Regen zum Auto, die Polizisten fuhren auch dorthin, warteten auf uns, und dann fuhren wir zu einem Tierarzt. Der Hund blieb nicht im Kofferraum, sondern kletterte gleich mal über die Lehne auf den Rücksitz. Kaum waren wir losgefahren, fiepte er. Kurz darauf übergab er sich auf den Rücksitz. Sven war begeistert... Beim Tierarzt war natürlich zu.

Man bedeutete uns, weiter dem Polizeiauto zu folgen, es ging in ein Wohngebiet. Dort hielten wir vor einem, haus, dem Privathaus des Tierarztes. Die Polizisten klingelten und erklärten unser Anliegen. Der Tierarzt bat uns herein, im Untergeschoß seines Wohnhauses hat er eine kleine Notfallpraxis. Er sprach auch deutsch. Unser Hund wurde kurz angesehen, auf 8-9 Monate alt geschätzt und geimpft. Wir erhielten einen Impfpass mit Bestätigung, daß der Hund transportfähig ist. Auf die Frage nach dem Preis: 14 Euro! Ich hab 3 mal nachgefragt... Undihm dann 20 gegeben. Daraufhin bekam ich gleich noch Entwurmungstabletten.

Er hoffte, daß wir so durch die Grenze kämen, eigentlich müßte das Tier nämlich gechipt sein, aber das hatte der Tierarzt in seiner Notfallpraxis nicht da.

Die Heimfahrt verbrachte der Hund dann im Fußraum vom Beifahrersitz zu meinen Füßen. Ich versuchte Schadensbegrenzung zu machen, was sein Spucken anging... :-(

An der Grenze *bibber*: 3 Autos vor uns wurde rausgewunken und kontrolliert, und Sven hat bei sowas ja keine besonders guten Nerven. Wir hatten uns entschlossen, den Hund im Fußraum zu lassen, nur unsere Pässe zu zeigen und nur auf Nachfrage Hund und Impfpass zu zeigen. wir hatten Glück, und wurden weiter gewunken. In Deutschland angekommen, konnten wir es kaum glauben, was wir gemacht hatten: einen Hund geschmuggelt! Er wurde kurzerhand von Sven auf den Namen Cheb getauft, wie die Stadt, wo er her kommt.

Dann kam das nächste Problem: unsere Hunde. Die waren nämlich in der Ferienwohnung geblieben. Bei der Bekanntmachung auf der Straße wurde kurz gebellt, dann war Ruhe. *Aufatme*

Nun mußten wir die Aktion unserer Ferienwohnung-Vermieterin beibringen. Im schlimmsten Fall hätten wir mit Abreise gerechnet. Hätte ja sein können, sie möchte keinen evtl. kranken Straßenhund in ihrem Haus, schließlich hat sie selbst Hund und Katze. Aber auch sie reagierte ganz gelassen und freundlich. Alles kein Problem. *freu* Allerdings sagten wir ihr auch nicht, daß wir inzwischen bei Cheb Flöhe entdeckt hatten... ;-)

Deshalb wurde er erst mal einshampooniert. Das machte schon mal etlichen Flöhen den Garaus. Er ließ sich alles lieb gefallen. Danach gingen wir noch essen, auch dabei war er lieb. Provisorisch machten wir ihm Luckys Leine als Halsband/Leine und dem Hals, und die beiden anderen kamen je einer an eine Seite der zweiten Leine. Und Cheb war so lieb im Lokal, Wahnsinn!

Am nächsten Morgen besorgten wir Cheb beim Fressnapf erst mal ein Geschirr und eine Leine. Danach ging’s zum Tierarzt. Flohmittel für 3 Hunde besorgt und gleich aufgetragen. Wegen der Reiseübelkeit hatten sie dort nichts da, wir sollten in die Apotheke gehen. Telefonisch fragten wir bei Dr. Drescher an, was wir nehmen sollten, sie empfahl uns MCP. Nächstes Problem: das ist verschreibungspflichtig. In 2 Apotheken haben wir es nicht bekommen. In der 2. Apotheke schlug die Helferin vor, um die Ecke beim Humanarzt ein Rezept zu holen. Sven ging da rein und erklärte sein Anliegen. Die Sprechstundenhilfe sagte das ginge nicht, überhaupt, das wäre ja ein Tierpräparat... Sven sagte es sei ein Humanpräparat und er wisse die Dosierung und alles, aber unser TA sei in Stuttgart und der ortsansässige hatte inzwischen zu, sie solle doch mal fragen. Also ging sie zum Arzt, kam wieder raus, und alles war kein Problem mehr. Sven bekam ein Privatrezept, und so konnten wir dann auch abends „spuck-frei“ nach Hause fahren.

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